» Liquidatorin Evgenija Filomenko berichtet von der Tschernobyl-Katastrophe
Aufmerksam und betroffen verfolgten die Schülerinnen und Schüler die unglaublichen Ausführungen der Liquidatorin Evgenija Filomenko aus Weißrussland. Sie war am 27.04.2018 gemeinsam mit dem Dolmetscher Prof. Isak Margolin von der Universität Minsk zu Besuch an der Abendrealschule Rheine.

Filomenko berichtete von der Arbeit einer Liquidatorin - eine von ungezählten Personen, die nach der Katastrophe von Tschernobyl zur Eindämmung der furchtbaren Folgen eingesetzt wurden - mit nicht absehbaren Folgen für die eigene Gesundheit.

Sie erzählte davon, was in den ersten Tagen nach dem Nuklearunfall im Atomkraftwerk Tschernobyl am 26. April 1986 geschah. Die Menschen in Narowlja, nur wenige Kilometer von Tschernobyl entfernt, wussten von dem Unfall im Atomkraftwerk. Aber die kursierenden Informationen waren sehr widersprüchlich und niemand konnte sich vorstellen, welche Folgen die Katastrophe haben würde. Während einige Funktionäre ihre Familien bereits aus dem betroffenen Gebiet herausbrachten, wurde Filomenko mit Inventarisierungsaufgaben in den umliegenden Dörfern und Kolchosen betraut. Erst Wochen später wurden diese Menschen evakuiert.

Ihre größte Sorge galt ihren beiden Söhnen Pavel und Alexej, die am 4. Mai mit der Großmutter nach Minsk fliehen konnten. Im dortigen Krankenhaus wurden die Kinder auf Anweisung des Gesundheitsministers untersucht. Trotz hohen Fiebers weigerten sich die Pfleger aus Angst vor Ansteckung die Kinder zu behandeln. Ohne Informationen über den Gesundheitszustand oder mögliche Schädigungen wurden Pavel und Alexej nach drei Wochen entlassen. Pavel gilt heute als Tschernobyl-Behinderter, der durch Plutoniumniederschlag stark verstrahlt wurde.

Die Menschen in Norowlja protestierten gegen unzureichende und verharmlosende Informationen über den Nuklearunfall und forderten die sofortige Evakuierung. Aber erst 1991 begann die Umsiedlung. Der Familie von Frau Filomenko wurde eine Wohnung in Minsk zugewiesen. Ihr Ehemann verstarb anderthalb Jahre später an Herzversagen. Noch heute lebt sie dort mit ihrem kranken Sohn Pavel und ihrem Sohn Alexej und seiner Familie. Die Umsiedler wurden in Minsk nicht gerne gesehen und bekamen auch seitens der Abgeordneten keine weitere Hilfe.

Gemeinsam mit anderen Betroffenen gründete Evgenija Filomenko einen Verein für Umsiedler in einem Stadtteil von Minsk, in dem sie sich heute noch für die Rechte der Menschen, die unter den Folgen der Tschernobylkatastrophe leiden, einsetzt.

Der Bericht der Zeitzeugin gab viele nicht bekannte Informationen und war sehr berührend. Unser Bild zeigt die Schülerinnen und Schüler, die zu der Erkenntnis kamen: Jeder, der den Bericht von Evgenija Filomenko gehört hat, kann nur den schnellstmöglichen Ausstieg aus der Atomkraft fordern!